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Das Richtig ist wichtig

Veröffentlicht am 19. Dezember 2014 | von Thomas Graber | Kategorie: Allgemein

Das Richtig ist Wichtig

Viel dämmen hilft nicht immer, viel Energie zu sparen

Ich bin seit mehr als 25 Jahren Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutzisolierer und habe schon von Berufswegen Dämmen und Energieeinsparen quasi im Blut. Energieeinsparung ist mein Tagesgeschäft, egal in welchen Bereichen.

Vor Jahrzehnten haben wir „Profi-Isolierer“ das Gewerk „Fassade“ an die Kollegen des Malerhandwerks verloren. Der Grund: Deren Lohnkosten sind niedriger. Dabei haben diese die richtige Dämmung als eher zweitrangig angesehen. Die Folge: Bauschäden im Bereich der Fassadendämmung waren in den frühen 1980er Jahren an der Tagesordnung, da die bauphysikalischen Aspekte, wie z.B. Anschlussdetails an Fenster (Kältebrücken) und andere Bauteile einfach unterschätzt wurden. Hier hat es die Hartschaumlobby lange Zeit nicht geschafft, mit entsprechendem Know How die ausführenden Unternehmen richtig und zeitnah zu beraten. Für die Maler war die Dämmung eher eine Putzträgerplatte als eine wichtige Funktionsschicht.

Brandschutz

Wer heute darüber klagt, dass Styropor-Fassaden leicht in Flammen aufgehen, sollte bedenken, dass die Mineralwolleindustrie bereits seit mehr als 15 Jahren hervorragende Produkte anbietet, die jedoch bei der Wirtschaftlichkeit gegenüber Hartschaum ungünstiger sind, auch wenn die Dämmwirkung, d.h. die Wärmeleitfähigkeit bei gleicher Dämmdicke, von je besser waren (Hartschaum: WLG 040, Mineralwolle 035) bei gleichzeitigem Brandschutz B1 gegenüber A1.

Berechnungsgrundlage

Warum aber werden dann dennoch so viele Fassaden mit Hartschaumplatten gedämmt? Meist geht es darum, dass bei dieser Gelegenheit die Gebäudehülle instand gesetzt wird und dies dann auch noch durch Fördermittel subventioniert wird. Das Gerüst und die Malerarbeiten entstehen ja sowieso.

Dabei ist es oftmals gar nicht die Fassade allein, die die effizienteste Stelle zur Wärmedämmung ist. Doch da hat sich die Berechnungsgrundlage für die Förderung der Maßnahmen geändert: Früher wurden einzelne Bauteile mit Wärmedurchgangskoeffizienten und mit einem Mindestanspruch belegt. Förderungen gab es nur, wenn der gesamte Maßnahmenkatalog erfüllt wurde. Deshalb waren speziell in der Altbausanierung viele Förderungen nicht möglich, da die Summe der Maßnahmen nicht realisierbar war.

Der neue Wärmeschutznachweis errechnet sich jetzt über eine Energiebilanz. Das bedeutet: Alle Bauteile werden zwar getrennt berechnet, aber zusammen als Ganzes bewertet und eingestuft. So ist es möglich, dass die Energiebilanz im Durchschnitt im geforderten und geförderten Wert liegt.

Unter dieser Betrachtungsweise können Bauteile, die gut saniert sind, besser gedämmt werden, andere Teile, die aus wirtschaftlichen Gründen nicht saniert sind, können außer Acht gelassen werden. Trotzdem kann in der Gesamtbetrachtung eine vernünftige energetische Gebäudesanierung erzielt und eine entsprechende Förderung eingerechnet werden.

Bleibt die Frage offen, ob die Berechnungsgrundlagen (und damit verbundenen Auflagen der EnEV) für die einzelnen Gebäudetypen in allen Bereichen stimmen? Ich glaube nein. Aus der Logik heraus wurden bei der EnEV für Gebäude Ein- und Mehrfamilienhäusern als Grundlage herangezogen. Wenn wir vereinfacht für diese Gebäudetypen die Wohnfläche in das Verhältnis der Außenflächen setzen, stimmt die Relation noch. Wenn wir das aber für Wohnanlagen tun, stellen wir fest, dass die Wohnfläche in Verhältnis zur Außenfläche unproportional steigt. Das bedeutet, dass auch der Energieverlust durch die Gebäudehülle im Verhältnis geringer sein muss.

Somit gehören folglich nicht die Wohnungsgenossenschaften und Hausherren angeprangert, sondern diejenigen, die die Forderungen für eine Energetische Sanierung aufstellen. Dies ist aus meiner Sicht in diesem Artikel falsch dargestellt und gehört einfach richtig gestellt.

Effizientere Sparmöglichkeiten

Ein weiteres Beispiel für die mangelnde Aussagekraft einer Verordnung wie der EnEV ist das Dämmen von Lüftungs- und Klimakanälen. 

Dazu kommt, dass ca. 40 Prozent des gesamten Energieaufkommens von den Industrieunternehmen gebraucht und verbraucht werden. Im Paragraph 2 Emissionsschutzgesetz steht: Sie müssen Ihre betriebliche Anlage umweltschonend betreiben. Ja super, was heißt das denn? Im Bereich der Energieeinsparung gibt es keinerlei gesetzliche Mindestgrenzen, wie der Energieverlust einer betriebstechnischen Anlage aussehen soll. Es gibt über die Jahre eine definierte Faustregel: Wärmeverlust = 150w/m2. Dieser Wert ist seit mehr als 40 Jahren Stand der Technik, und lediglich die Parameter Berührungsschutz und Tauwasser spielen bei der Auslegung von Dämmungen eine gravierende Rolle. Die Lebensdauer der Anlage und damit verbundene Energieverluste hatten in der Vergangenheit alleine Bedeutung.

Schnelle politische Entscheidungen

Das Manko unserer Energiepolitik ist: Wir wollen schnelle politische Entscheidungen und vergessen aber im Detail Wesentliches zu berücksichtigen. Zu oft werden oberflächliche Forderungen von der Bundesregierung definiert, die zum einen in der Umsetzung entweder mangelhaft, lückenhaft und schlicht weg falsch sind.

Seit mehr als zehn Jahren bin ich in den verschiedensten Normen- und Fachausschüssen tätig und muss einfach feststellen, dass wir in diesem Bereichen, was Stand der Technik und Regeln der Technik betrifft, weit hinterher hinken, teilweise bis zu einem Jahrzehnt.

Die Politik täte gut daran, mehr finanzielle Mittel für die Normen und Facharbeit bereit zu stellen und sich mehr der Fachkompetenzen der Verbände zu bedienen, um schnellere Ergebnisse in einer hohen Qualität bei der Forderung und Förderung von Klimaschutzzielen zu erreichen.

Förderung in Gesetzestexte zu packen ist das Eine. Vernünftige Basisarbeit, das heißt Normen- und Facharbeit, um fundiertes Wissen in vernünftige gesetzliche Verordnungen zu packen, das Andere. Im Bereich Dämmung gibt es noch viele offene Potenziale, die es weitaus mehr verdient haben, verfolgt zu werden und die geforderten Klimaschutzziele zu erreichen, als das was gerade versucht wird...

Thomas Graber

Ein Kommentar zum Titelthema des Spiegels 49/14 - Verdämmt in alle Ewigkeit

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